Money Management Teil I

Bevor wir uns dem Hauptthema des heutigen Beitrages widmen gibt es eine kurze Info zu unserem beiden im Metatrader genutzten Handelssystemen.


Um Sie nicht beständig mit Dingen zuzutexten wie welches Währungspaar gerade pausiert, wo eventuell zur Zeit nur Long oder Short gehandelt wird etc. (was viele vielleicht auch gar nicht interessiert), werde ich ab heute zu meinen Beiträgen immer wieder mal ein PDF Dokument mit einer Auswertung zum Download anbieten. Aufgrund dieser Auswertung - eine genaue Auflistung mit reichlich Kennzahlen jeweils je Währungspaar und getrennt nach Long und Short – fällt die Entscheidung was und in welche Richtung gehandelt wird. Die erste Auswertung ist noch vom Livekonto, zukünftige von einem nicht öffentlichen Demo Konto da dort weiterhin alle Währungspaare gehandelt werden.

PDF Auswertung

Auf diese Weise haben wir die meiner Meinung nach beste Lösung für beide Seiten gefunden. Sollten Sie anderer Meinung sein, Fragen dazu haben oder noch etwas ganz anderes wünschen, bitte ich um eine entsprechende Mitteilung.

Ferner habe ich mir erlaubt das System in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vorrübergehend komplett zu deaktivieren (mittlerweile läuft es wieder).  Die starken Bewegungen erschienen mir am  Donnerstag doch zu risikoreich für den Nachthandel des EA. Einige Tage davor hatte ich den Expert Advisor bei einigen Währungspaaren außerdem bereits nur noch Short Positionen handeln lassen, der Markt wollte halt unbedingt nach unten….und ich „nicht im Weg stehen“.

Money Management

Money Management ist die Größe, die besagt, welcher Teil des gegebenen Kapitals in der nächsten Position riskiert werden soll.

Das Hauptthema des heutigen Beitrages möchte ich mit einem Experiment das der Buchautor Ralph Vince vor einigen Jahren durchgeführt hat beginnen.

Herr Vince stellte hierfür 40 Doktorstudenten im Rahmen einer Handelssimulation jeweils 10.000 Dollar mit den folgenden Regeln zur Verfügung.

1.    Im Falle eines Gewinns erhält der Teilnehmer zusätzlich zu dem riskierten Betrag die gleiche Summe als Gewinn.
2.    Im Falle eines Verlustes ist der eingesetzte Betrag verloren.
3.    Jeder Spieler erhält 100 Versuche.
4.    Die Gewinnwahrscheinlichkeit liegt bei 60 % (und die Verlustwahrscheinlichkeit entsprechend bei 40 %)

Nun sollte man meinen das ein System bei einem CRV von 1 (Gewinn und Verlust sind in der Höhe identisch) und einer Trefferquote von 60 % äußert rentabel ist. Mit einem entsprechendem Money Management sollte bei 100 Versuchen statistisch sogar eine Vervielfachung des Handelskapitals möglich sein. Bei diesen Wahrscheinlichkeiten sollte sich eigentlich auch  jeder Verlust in angemessener Zeit wieder aufholen lassen.

Nun raten Sie mal wie der Test gelaufen ist? Bestimmt haben die allermeisten viel gewonnen, oder?

Pustekuchen!

Nur zwei der vierzig Teilnehmer hatten es überhaupt geschafft mehr Geld als zum Beginn des Experimentes zu haben, die anderen achtundreisig  Teilnehmer hatten Geld verloren. In Prozenten bedeutet dies das nur 5 % der sonst erfolgreichen Akademiker am Ende des Testes mehr Geld hatten, 95 % hatten weniger Kapital als zu Beginn des Experimentes.

Wie konnte so etwas bei einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 60 % passieren ?

Ganz einfach, mangelhafte Positionsgrößenbestimmung, mangelhafte Risikobestimmung, und so weiter und so fort….. kurz gesagt war kein vernünftiges Money Management.

Zahlen zur Verdeutlichung:


Verlieren Sie 10 % Ihres Risikokapitals müssen Sie 11 % verdienen um wieder den ursprünglichen Kapitalbetrag zu erhalten. Einen vernünftigen Ansatz vorausgesetzt sollten 11 % aber auch ohne weiteres machbar sein, also alles noch im grünen Bereich.

Um wieder die gleiche Geldmenge wie beim Start zur Verfügung zu haben benötigen sie allerdings bei einem Verlust von 30 % bereits 43 % Gewinn. Hier haben wir bereits eine Hausnummer für die man durchaus schon eine gewisse Zeit benötigt.

Gehören Sie aber sogar zu den unglücklichen die bei Ihrem Tradingkapital 50 % Verlust verkraften müssen, so benötigen Sie für den Break Even 100 % Gewinn….und haben selbst dann noch nicht einen Cent verdient. Mit mehr als 50 % Verlust wollen wir erst gar nicht anfangen.

Mehr Zahlen:

Die allermeisten Trader haben in Ihrer Laufbahn das sehr zweifelhafte Vergnügen auch mal zehn Verluste in Folge verkraften zu dürfen. Nimmt man nun zur Positionsgrößenbestimmung in diesem Beispiel das wohl am weitesten verbreitete Modell %-Risiko vom Tradingkapital (Antimartingale Fixed fractional Methode, was das genau ist und es da sonst noch so gibt kommt im 2ten Teil;)) und berechnet die Positionsgröße nach jedem Trade neu, so gestaltet sich das Resultat wie folgt:

1 % Risiko je Trade = 9,56 % Verlust nach 10 Trades = 10,50 % benötigter Gewinn für Break Even
5 % Risiko je Trade = 40,10 % Verlust nach 10 Trades = 35,00 % benötigter Gewinn für Break Even
10 % Risiko je Trade = 65,10 % Verlust nach 10 Trades = 186,00 % benötigter Gewinn für Break Even

Wie Sie unschwer erkennen können sind 10% Risiko je Position bereits viel zu viel, 186 % Return auf das vorhandene Kapital erwirtschaftet man mal nicht eben so. Selbst 5 % Risiko je Trade mit 35 % notwendigem Gewinn nach solch einer Verlustserie bis Break Even befindet sich schon im ziemlich ambitionierten Bereich. Je nach Handelsansatz sind 2 oder 3 % durchaus noch vertretbar, mehr sollte man ohne Weiteres und entsprechende Erfahrung allerdings nicht einsetzen.

Oftmals sind es beim Prozent Modell die berühmten 1 % je Kapital - von denen man zu Recht so oft liest – die beste Lösung für das tägliche Trading (im Intradaybereich sogar oft noch weniger).

Merke:

Die Höhe des Verlustes den Sie bereit sind zu riskieren ist das einzige was Sie beim Trading wirklich kontrollieren können (OK, größtenteils) und deswegen ist Money Management auch so unglaublich wichtig!

Realistisch betrachtet haben Sie auf alles andere keinen echten Einfluss, ob ein Kurs steigt oder fällt mögen Sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit errechnen, wissen können Sie es aber nicht. Umso wichtiger ist es sich unbedingt an ein maßgeschneidertes Money Management zu halten. Dies muß nicht unbedingt das Modell % vom Tradingkapital sein, unterschiedliche Aufgaben erfordern unterschiedliche Ansätze…aber passen muss es.

Im zweiten Teil meines Beitrages zum Money Management werde ich Ihnen aus diesem Grund unter anderem auch einige andere Ansätze wie die Kelly Formel, secure f oder auch das optimale f vorstellen.

Bis dahin,

Klinke;)

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