Unruhige Märkte
Heute auf der Speisekarte: Bunter Zahlensalat, eingelegt in trocken gedünsteter Statistik.

Seit dem 15.04. ist die Performance des hauptsächlichen Handelssystems in unseren Testkonten alles andere als zufriedenstellend und somit mehr als Grund genug für einen tieferen Einblick.
Was ist passiert?
Innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes kam es – für diesen EA untypisch – auf den Konten zu mehreren Trades die mit einem spürbaren unschönen Verlust abgeschlossen wurden. Zum einen könnte dies auf relativ unruhige und ggf. fürs das System ungeeignete Marktkonditionen hinweisen, immerhin ist es nun schon die dritte Woche in Folge bei der er zur der Markteröffnung nach dem Wochenende zu Kurslücken (GAPs) in verschiedenen Hauptwährungspaaren gekommen ist. In meinen Augen ist dies im Forex-Markt für gewöhnlich nicht die Regel und stellt somit eine besondere Situation dar die auf eine entsprechende Stimmung an den Märkten aufmerksam macht.
Sieht man bei den beiden Konten allerdings genauer hin, so fällt einem sofort ins Auge, dass das Live- und das Demokonto sich weiter und weiter voneinander entfernen:

Gewinn auf Livekonto seit dem Start am 01.02.2010: 23,07 EUR oder 0,47 % mit 274 Trades.
Gewinn auf dem Demokonto seit dem Start am 01.02.2010: 156,10 oder 3,12 % mit 283 Trades.
Gehen wir noch etwas tiefer:
Livekonto Februar 2010: EUR 194,51 Gewinn.
Demokonto Februar 2010: EUR 147,44 Gewinn
Also im Februar alles toll, das Livekonto mit einem Profitfaktor von 1,94 und einem maximalem Drawdown von 1,13 Prozent sogar spürbar besser als das Demokonto mit Profitfaktor von 1,54 und maximalem Drawdown von 2,03 Prozent. Allerdings gab es im Februar – wie in einem früheren Beitrag erwähnt - einige „Startschwierigkeiten“ deswegen werden den Monat im folgendem ignorieren und uns die anderen beiden ein wenig genauer „vorknöpfen“.

Livekonto März 2010: Mit 84 Trades EUR 88,18 Verlust / 13 Pips Verlust
Demokonto März 2010: Mit 85 Trades EUR 76,34 Verlust / 10 Pips Gewinn
10 Pips Gewinn und trotzdem 76,34 Verlust, da im Laufe des Monats die Positionsgröße bei einigen Währungspaaren verdoppelt wurde und die aufgetretenen Verluste in EUR nach Umstellung dadurch größer ausfallen als die vorher erwirtschafteten Gewinne.
Im März sind sich Demo- und Livekonto also in der Performance deutlich näher gekommen, leider beide mit Verlust. Entsprechend liegt der Profitfaktor beim Livekonto mit 0,77 unter der magischen 1, der maximale Drawdown ist ebenfalls auf 3,31 Prozent angestiegen. Mit 0,81 ist der Profitfaktor beim Demokonto ebenfalls nicht viel besser, der maximale Drawdown mit 2,13 % aber schon. Nun wollen wir wissen wie es einem identischen System beim gleichen Broker zu einem Unterschied von über 10 Prozent in EUR oder beziehungsweise genau 23 Pips in den Leistungsdaten kommen kann:

Den ersten Teil der Antwort finden wir in der Slippage die in 47 der 84 getätigten Trades aufgetreten ist. Insofern man bedenkt, dass ein Trade immer aus zwei Seiten besteht eigentlich noch kein Grund zu meckern. Davon haben wir in 9 Fällen - wenn in der Regel auch sehr gering – von der Slippage profitiert, in 7 Fällen war das Ergebniss durch ebenfalls andere Closekurse ausgeglichen und in 31 Fällen haben wir Geld verloren. Die Slippage ist über den ganzen Monat relativ gleichmäßig verteilt aufgetreten.
Der zweite Teil resultiert aus nicht immer identischen Trades. Im Verlaufe des März gab es auf dem Livekonto drei Trades die so nicht auf dem Demokonto stattgefunden haben. Auf der anderen Seite gab es vier Trades auf dem Demokonto die so nicht auf dem Livekonto stattgefunden haben. Die Ursache liegt in unserem Fall zum einen in der Empfindlichkeit des EA gegenüber dem aktuellen Spread. Liegt dieser über einem vorher definierten Grenzwert (je nach Währungspaar unterschiedlich) werden neue Tradingaktivitäten solange blockiert bis der Spread wieder in gewünschten Bahnen verläuft. Bei einem Scalper ein durchaus sehr nützliches Feature. So sieht die entsprechende Meldung im Expert Advisor dazu aus: „2010.04.26 22:38:27 will try again later when spreads come to normal”. Wird der zulässige Bereich im Demo oder Echtkonto auch nur einen kurzen Augenblick wieder erreicht eröffnet der EA – so die sonstigen Konditionen stimmen – sofort eine Position. Allerdings findet diese Abfrage „nur“ alle paar Sekunden statt, ändert sich also der Spread bis zur Abfrage des anderen Kontos wieder in den blockierten Bereich handelt somit eventuell nur das Demo- oder das Livekonto (oder auch z.B. erst 30 Minuten später). Auch ein Grund warum sehr unruhige Märkte nicht ideal für diesen EA sind.

Kommen wir zum April (Stand bis 25.04.2010):
Livekonto April 2010: Mit 83 Trades EUR 129,92 Verlust / 9 Pips Gewinn
Demokonto April 2010: Mit 85 Trades EUR 15,54 Gewinn / 125 Pips Gewinn
9 Pips Gewinn und trotzdem 129,92 Verlust, da im Laufe des Monats die Positionsgröße bei den restlichen Währungspaaren verdoppelt wurde und die aufgetretenen Verluste in EUR nach Umstellung dadurch größer ausfallen als die vorher erwirtschafteten Gewinne. Außerdem ist der neue Expert Advisor für EUR/USD mit kleiner Positionsgröße hinzugekommen, entsprechend ist der Einfluss auf die Pips hier größer als auf den Betrag in EUR.
Na das Resultat für den bisherigen April ist doch mal so richtig Sch….!
Im April haben wir beim Demo- und Livekonto offensichtlich zwei vollkommen unterschiedliche Welten. Der Profitfaktor beim Livekonto ist mit 0,76 weiterhin unter der immens wichtigen 1, der maximale Drawdown ist bereits auf 6,03 Prozent angestiegen. Das Demokonto hat mit einem Wert von 1,04 beim dem Profitfaktor soeben wieder im positiven Bereich erreicht, der maximale Drawdown ist auch auf 3,85 % angestiegen. Was passiert ist wollen wir uns auch die gleiche Weise wie im Vormonat anschauen.
In diesem Monat hatten wir bisher in 42 von 85 Fällen Slippage zu vermelden. Erstmal nicht schlimm soweit. Diesmal haben wir in 7 Fällen - wenn auch hier wieder in der Regel auch sehr gering – von der Slippage profitiert, in 6 Fällen war das Ergebniss durch ebenfalls andere Closekurse ausgeglichen und in 29 Fällen haben wir Geld verloren. In der zweiten Monatshälfte hatten wir spürbar öfter Slippage als in der ersten. Allgemein hat die Slippage mit - bis zu - 9 Pips auf einer Seite deutlich zugenommen.
Bisher gab es im April es auf dem Livekonto vier Trades die so nicht auf dem Demokonto stattgefunden haben. Auf der anderen Seite gab es sechs Trades auf dem Demokonto die so nicht auf dem Livekonto stattgefunden haben.
Ferner fällt auf, dass sich die Haltedauer der Trades erheblich verändert hat. Bisher wurden die Trades im Regelfall (mit Ausnahmen) noch in der gleichen Nacht geschlossen. In der letzten Zeit „schleppen“ sich einige Trades allerdings bis weit in den nächsten Tag, eine Position in EUR/CHF war im Livekonto sogar knapp 3 Tage unterwegs (nicht im Demo, dort wurde die Position in der gleichen Nacht geschlossen..da Slippage von 4 Pips in einem vermeintlich ruhigen Markt und somit auch ein anderer TP).

Der mit Abstand größte Verlustbringer findet sich am 22.04. Sowohl das Livekonto als auch das Demokonto eröffneten um 22.04 Uhr eine Verkaufsposition in USD/CHF (Demo zu 10771, Live zu 1.0770, somit lag der Stop des Demo-Konto 1 Pip über dem Live-Konto). Der Trade vom Livekonto wurde um 1.20 Uhr in der Nacht bei 1.0852 ausgestoppt, der im Demokonto am nächsten Tag um 10.41 Uhr bei nachgezogenem Stop bei 1.0775. Entsprechend wurde in diesem speziellen Fall durch diesen einen einzigen Pip Slippage im Livekonto der Stop so gerade eben ausgelöst die Position im Demokonto allerdings Haarscharf daran vorbeigeschrammt. Jetzt können Sie sich bei Bedarf auch ausrechnen wo der echte „worst case“ Stop Loss beim paar USD/CHF vom Expert Advisor bei Eröffnung der Position gesetzt wird (zur Erinnerung, das Handelssystem versucht seine Stopkurse vor anderen Marktteilnehmern zu verbergen, somit sind die ersichtlichen S/L Angaben in der Transaktionsübersicht völlig unbedeutend).

Ziemlich dumm gelaufen, oder?
Fazit:
Rechnet man nun noch die bereits gezahlte Abgeltungssteuer hinzu (sowie die die von dem zuletzt erreichten Hoch noch kommt), erzielen wir statt dem spärlichen Gewinn von EUR 23,07 unter dem Strich sogar nun erstmals einen ein Verlust. Gründe…siehe oben.
Was nun, sprach das Huhn?

Aufgrund der akuten oben aufgeführten Schwäche im Livebetrieb - in der aktuellen Marktsituation - muss ich leider ernsthaft in Erwägung ziehen das derzeit hauptsächliche Handelssystem auf den Konten zu stoppen oder zumindest stark einzuschränken (je nach gehandeltem Währungspaar ergibt sich natürlich ein anderes Bild, um Sie nicht mit noch mehr Zahlen zu belästigen bin ich heute nicht noch auf die Unterschiede dort eingegangen). Über etwaige Änderungen dahingehend werde ich Sie in einem neuen Beitrag selbstverständlich auf dem laufendem halten.
Bis dahin,
Klinke;)
Nachtrag vom 26.04: Ja ne ist klar, direkt in der Nacht hat das System dann gleich wieder so richtig daneben gegriffen. Meine erste Reaktion ist die - zumindest vorrübergehende - komplette Deaktivierung der beiden schlechtesten Paare sowie eine Beschränkung auf Short Trades für zwei weitere...mehr Änderungen vorbehalten... was wieso etc. im nächsten Beitrag.
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